Eingewöhnung PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von: Dalia Fichmann   
Mittwoch, 06. August 2008 um 11:43
Momentan bekommen wir sehr viele Telefonate von verzweifelten Welpenbesitzern, die mit den neuen Hausbewohnern nicht zurecht kommen. Die kleinen entwickeln sich immer mehr zu kleinen Gremlins, anstatt zu lustigen Mitbewohnern. Dies hat mich veranlasst, hier ein paar Tipps und Tricks nieder zu schreiben.

Bevor man sich Welpen anschafft, ist es ganz wichtig, sich ausführlich zu informieren, es reicht nicht, sich Bücher und Internetseiten durch zu sehen. Frettchenbesitzer zu besuchen ist unumgänglich, um sich die kleinen Rabauken live anzuschauen, sie in die Hand zu nehmen, sie zu riechen und sich beraten zu lassen. Es sollte gut überlegt sein, ob es wirklich Welpen sein müssen, es gibt auch immer wieder Abgabetiere, die bereits handzahm sind. Entschliesst man sich aber Welpen zunehmen, empfiehlt es sich, verschiedene Züchter zu besuchen. Ein seriöser Züchter empfängt jeden Interessenten gerne und zeigt ihm bereitwillig, seine Zuchttiere, deren Unterkünfte, Impfpässe und gibt Auskunft über Herkunft der Tiere, Haltung, Ernährung, Problematik, Besonderheiten... (mehr darüber auch unter Anschaffung und Welpen/Zucht).

Die Welpen dürfen ab der 4./5. Woche besucht und können in ihrer gewohnten Umgebung beobachtet werden. Die Kleinen sollten mit der 8. Woche beim Züchter geimpft, ev. gechippt worden sein.

Welpen sollten nicht nach Farbe ausgewählt werden, sondern nach ihrem Verhalten und Charakter, der Züchter kennt seine Welpen und kann auch Auskunft darüber geben, welcher Welpe zu wem passen würde, welche Verhaltensweisen auf die neuen Besitzer zukommen. Es empfiehlt sich für die erste Zeit der Eingewöhnung im neuen Heim, ein Kuscheltuch o.ä. vom Züchter mitzunehmen, damit die Kleinen etwas von ihrer gewohnten Umgebung mit ins neue Heim bekommen. Zusätzlich kann im Schlafhäuschen ein getragenes T-Shirt mit rein geben werden, damit sich die Neulinge an den Geruch ihrer neuen Besitzer gewöhnen können.
Am ersten Tag brauchen die neuen Hausgenossen Zeit für sich, um ihr neues Zuhause erkunden zu können. Es ist menschlich, dass man am liebsten die Welpen gleich raus nehmen möchte, mit ihnen spielen und kuscheln. Dies führt aber meist dazu, dass sowohl die Welpen, wie auch die Besitzer überfordert werden und es bereits zu negativen Erlebnissen beider Seiten kommt. Also, lasst sie erst einmal in Ruhe alles erkunden. Der Käfig sollte natürlich bei Ankunft schon so bereit gestellt sein, dass auch Wasser und Nahrung vorhanden ist. Am 2. Tag dürfen die Fretts dann auch ihren Freilauf erkunden, zwar unter Aufsicht aber immer noch, ohne von den Fretts was zu wollen. Man kann ihnen Vitapaste oder Leckerlis anbieten, um den ersten Kontakt aufzunehmen, auch mit geeignetem Spielzeug zum Spiel auffordern. Es ist ratsam, wenn die Welpen einige Stunden eingesperrt waren, auch wenn der Käfig gross ist, sie erst einmal nach dem öffnen der Käfigtür, austoben zu lassen, bevor man sich intensiv mit ihnen abgibt. Der Kontakt kann dann von Tag zu Tag vertieft werden. Leckerlis von der Hand geben, schafft Vertrauen, nehmt die Kleinen hoch, knuddelt sie kurz durch und lasst sie wieder runter, Welpen wollen oft noch nicht schmusen, hält man sie zu lange fest wollen sie runter und beginnen sich zu wehren, lässt man sie nicht, beginnen sie um sich zu beissen, lässt man sie dann runter, ist bereits die erste Fehlverknüpfung da, nämlich; beisse ich, lässt man mich runter!

Beobachtet man die Welpen untereinander, ist das Spiel sehr grob, es kann sogar zu kleineren Wunden an Nacken und Rücken kommen. Es wird auch bereits um eine Rangordnung im Rudel gekämpft, zwar spielerisch aber trotzdem ein Spiel fürs Leben. Es ist also nicht verwunderlich, wenn der Mensch als neuer Spielkamerad gleich behandelt wird. Sie müssen zuerst lernen, dass der Mensch kein Fell hat und es weh tut, wenn sie so grob sind. Nun muss hier ein gutes Mass gefunden werden, den Frettchen Vertrauen zu geben, trotz dem aber Erziehungsmassnahmen anzubringen, die unumgänglich sind, wenn man mit ihnen zusammen leben möchte. In dem man dem Frettchen die Faust hin hält, ist es nicht in der Lage, voll zu zubeissen und es gibt einem die Möglichkeit eine Korrektur im richtigen Moment anzubringen, nämlich genau dann wenn es beisst, nicht vorher und nicht nachher. Tiere sind nur in der Lage, das "Jetzt " zu verknüpfen. Eine Korrektur wird also nur richtig verstanden, wenn sie auch zum richtigen Zeitpunkt angewendet wird, sonst kommt es zu Fehlverknüpfungen, die nur sehr schwer wieder hinzubiegen sind.
Beisst der Welpen in die Faust, nimmt man ihn mit der anderen Hand am Nacken, gleichzeitig kommt ein prägnantes "NEIN", lässt der Welpe
los, lockert man auch den Nackengriff, beisst es erneut, nimmt man es wieder am Nacken und sagt "NEIN", lässt es ab wird es sofort mit einem lang gezogenen ruhigen "BRAAAV" bestätigt. Der Nackengriff wird schon von der Mutter gebraucht und wird daher vom Welpen auch verstanden.

Wichtig: der Welpe wird nicht geschüttelt, nicht weggeworfen, nur am Nacken genommen bis er los lässt. Die Welpen sind sehr unterschiedlich, es gibt solche, die beissen nie (super, Glück gehabt), bei einigen reichen 1-2 solche Korrekturen, andere hingegen versuchen es immer und immer wieder.  Da gilt es einfach, Geduld und nicht aufgeben, alle lernen es, auch wenn es einige gibt, die mit dem Zwicken nie ganz aufhören. Das erste halbe Jahr, kann sehr anstrengend sein und macht nicht nur Spass, Geduld und Verständnis und ein bisschen Durchhaltevermögen braucht es, um nachher ein intensives und lustiges Zusammenleben zu ermöglichen.

Tipps:

  • die Welpen zuerst füttern, sie sind dann umgänglicher.
  • erst versuchen hoch zu nehmen, wenn sie bereits ausgetobt und schon müde sind.
  • genügend Auslauf gewähren, Welpen haben viel Energie.
  • viel Spiel-, Kletter- und Versteckmöglichkeiten bieten, damit sie ausreichend beschäftigt sind. Viel Abwechslung erfüllt die Neugierde der Frettchen.
  • viel aus der Hand füttern, dies gibt Vertrauen.


Die häufigsten Fehler:

  • zu hohe Erwartungen, die Welpen sind süss und man möchte sie herumtragen und schmusen.
  • zu wenig Auslauf.
  • wenn sie beissen, werden die Welpen wieder weggesperrt,geschlagen, weg geschmissen.... solche Massnahmen sind kontraproduktiv und man erreicht nur das Gegenteil.
  • die Welpen werden nur noch mit Handschuhen angefasst. Es ist ganz wichtig, dass der Welpe lernt, dass er nicht in die Haut beissen darf, mit einem Handschuh wird das Problem nur umgangen aber nicht gelöst.


Unter Erziehung findet Ihr ausführlichere Anleitungen zum Thema beissen und Stubenreinheit.

 

Bei Problemen stehen wir euch sehr gerne zur Verfügung. Holt Euch Hilfe, bevor die Frettchen nur noch im Käfig bleiben müssen und sie irgendwann abgegeben werden.

Vielen Dank!

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